Tagebuch aus Haithabu / Hedeby
 
   

13. September 2009 - Wikinger Museum wird geschlossen

Heute war es nun so weit. Nach fast 25 Jahre Museumsbetrieb schließt für immer im Wikinger Museum Haithabu die alte Ausstellung. Da ich diese Ausstellung fast unverändert seit dem Eröffnungsjahr 1985 kenne, war für mich der heutige Tag wirklich die allerletzte Gelegenheit, mich davon zu verabschieden. Die obere Aufnahme zeigt das königliche Langschiff von unten aufgenommen.

Da ich schon etwas Einblick in die Umbaupläne hatte und auch den Restauratoren von der AZW über die Schultern sehen durfte, ist die Vorfreude auf die neue Ausstellung dann doch größer als die Trauer um den Verlust der alten Ausstellung. Auch wenn im Museum diese Vitrinen mehr den Charme der 80'-Jahre verbreiten.

Da die Vorbereitungen für den Museumsumbau schon lange angelaufen sind, wurden aus der Ausstellung einige Stücke entfernt, damit sie von den Restauratoren neu aufbereitet werden können.

Selbstverständlich blieb seit der Museumseröffnung im Jahr 1985 die Forschung in Haithabu nicht stehen aber viele Grabungsbefunde landeten in das Magazin und nicht in die Ausstellung. Ich wurde schon oft gefragt, warum viele Funde in den Magazinen der Länder liegen und nicht in einem Museum ausgestellt werde.
Nun, die Antwort ist eigentlich einfach. Um Kosten zu sparen und um die Funde für die Nachwelt zu erhalten. Verstanden? Kurz gesagt, alle Funde sind gleich nach der Freilegung durch den Archäologen vom Verfall bedroht und müssen daher unbedingt konserviert, bzw. erst restauriert und dann konserviert werden. Dazu kommt noch, dass alle Ausstellungsobjekte ständig kontrolliert und gepflegt werden müssen. Alle Ausstellungsobjekte sind ständig vom Verfall bedroht und die Verhinderung dessen verursacht die erheblichen Zusatzkosten.

Diesen Eingangsbereich vom Museum mit der Kinderspielecke auf der einen Seite und dem Kassenbereich auf der anderen wird es nach dem Umbau so nicht mehr geben. Der Kassenbereich wird nach draußen verlegt und dann dort von einer Stahldachkonstruktion überdacht.

Dadurch hat das Museum nun fünf Hallen und jede Halle bekommt ein eigenes Kapitel zum Thema "Wikinger". In der ersten Halle werden die Besucher an die Landschaft der Wikingerzeit herangeführt. In der zweiten Halle durchlaufen die Besucher straßenähnlichen Schächten von Haithabu und werden dort Personen und ihren Berufen begegnen. In der dritten Halle geht es um die Herrschaftsstruktur und Religion, in der vierten Halle selbstverständlich Haithabu als Handelszentrum und seine Fernbeziehungen zu anderen Handelzentren. Und am Ende erreicht der Besucher dann die fünfte Halle mit dem königlichen Langschiff, dabei ergänzt um eine Landungsbrücke und sowie einer Inszenierung von damaligen Handelsgeschehnissen. In eines der Hallen wird eine begehbare Box vom Bootskammergrab aufgebaut. Darin befinden sich hochinteressante Fundobjekte, die gerade in der Archäologischen Zentralwerkstatt (AZW) auf Schloss Gottorf dafür aufwendig restauriert und konserviert werden. Die berühmte mit Eisenplättchen beschlagen Truhe wird ebenfalls dabei sein.

Da ich noch zu den Wikinger Häuser in Haithabu wollte, noch ein letzter Blick auf das Wikinger Museum und dann gleich weiter Richtung Haithabu. Zwei Fotoalben mit Innenaufnahmen von dem Wikinger Museum habe ich rechts im Kasten verlinkt. Noch eine wichtige Information am Schluss:
Das Wikinger Museum wird am 20. Februar 2010 28.März 2010 wiedereröffnet.

Bei den Wikinger Häuser angekommen sah ich als Erstes Reinhard mit einem jungen Wikinger von Opinn-Skjold beim Bogenschießen.

Hallveig machte mich darauf aufmerksam, dass sich am Haus der Händler auf der hinteren Seite sich "etwas" gelöst hatte. Einer der Verbindungszapfen war weggebrochen und daher hing dort nun eines der Stämme von der Dachkonstruktion nur noch an den Seilen. Es sieht zum Glück schlimmer aus, als es ist und daher wird das irgendwann bei einer günstigen Gelegenheit repariert. Eine Gefahr für die Besucher (Dacheinsturz) besteht nicht. Aber warum brach da ein Verbindungszapfen? Eine Frage, die nun die Wissenschaft aufklären kann.

Im Haus des Kammmachers waren Runhildr und Christoph am Arbeiten. Zwei Besucher wollten selber mal etwas aus Kochen und Geweihe herstellen und hatten daher an Runhildr sowie Christoph sehr viele Fragen. Beide gaben sich viel Mühe um alle Fragen zu beantworten und am Ende gingen zwei überglückliche Besucher mit vielen neuen Ideen nach Hause. Ein Museumsbesuch, dass die beiden Besucher sicherlich nicht so schnell vergessen werden.

Im Haus des Tuchhändlers waren Hallveig sowie Raphi und haben an dem neuen senkrechten Webstuhl weiter an einem Stoff für neue Taschen gewebt. Mitunter wurde auch mit den Museumsbesuchern zusammen genadelt oder Wolle gesponnen. Nur die Hausschwalben wollten da nicht mitmachen.

Dieses Wochenende stand unter dem Motto: Zum Mitmachen für Kinde. "Schmuck und Spielsteine aus Bernstein" und daher waren auch Dieter Graesch und Stefan Schloßbauer von Opinn Skjold in Haithabu. Und man sieht auf dem linken Foto, dass es vieles aus der Wikingerzeit zu erzählen gibt und die Familien daran ihren Spaß haben. Und neben Sagas erfährt die Familie auch etwas über die (wahrscheinlichen) Lebensgewohnheiten der damaligen Haithabubewohner.

An diesem Tag schaute auch Harm Paulsen von Schloss Gottorf, ein bekannter Experimental-Archäologe (bekannt unter anderem aus der Fernsehserie "Steinzeit - Das Experiment") in Haithabu vorbei und sah sich im Haus des Tuchhändlers die Webarbeiten von Hallveig und Raphi an.
Der linke Webstuhl auf dem Foto wurde in den 70'-Jahren sogar von Harm Paulsen gebaut.
Auf dem rechten Foto zeigt Brigitte ihren handgesticktem Teilstück (immerhin sind dass 17 Meter) von dem bekannten Teppich aus Bayeux.

Am Schluss noch eine Gruppenaufnahme im Haus des Tuchhändlers mit Harm Paulsen, Hallveig, Raphi und Brigitte.

Da im Haus des Tuchhändlers für die Besucher meistens die Eingangstür vorne sowie die hintere Seitentür geöffnet sind, ist es im Haus in der Regel durch den Luftzug sehr kühl. Daher ist so ein neuer Rechteckmantel / Umhang auch mitten im Hochsommer im Haus sehr praktisch.

Am Ende vom Tagebucheintrag noch eine Aufnahme mit den schönen Arbeiten aus Knochen und Geweihe von Runhildr und Christoph in der Abendsonne vor dem Haus des Kammmachers.

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