Tagebuch aus Haithabu / Hedeby
 
   

27. Mai 2009 - Taufe von "Nökkvi" (Wikingerboot)

Nach dem Bau der sieben Wikingerhäuser war nun ein Boot für die Landebrücke geplant.
Daher baute die Museumswerft in Flensburg letztes Jahr 2008 einen Nachbau von einem Wikinger-Ruderboot, nach einem archäologischen Fund in Norwegen (vermutlich war es ein Beibootes von dem Gokstad-Schiff) aus dem späten 9. Jahrhundert. Die Baukosten betrugen etwa 16.500€ und nach drei Monate Bauzeit war das 6,50 Meter lange Beiboot fertig.
Anfang April wurde es nach Busdorf überführt und dort bis zu seiner Taufe und Jungfernfahrt am
27. Mai 2009 auf dem Haddebyer Noor eingelagert.

Um 11:00 Uhr sollte die Taufveranstaltungen anfangen. Ich war schon gegen 10:30 Uhr auf der Landebrücke und sah dort keinen Museumsbesucher oder jemanden von der Presse.
Das neue Wikinger-Ruderboot lag einsam im Noor, direkt neben der Landebrücke.

Nur Reinhard Erichsen vom Wikinger Museum erschien dann auf der Landebrücke und bereitete alles für die Veranstaltung vor. Auf dem Foto löst er das Ruderblatt, damit nach der Taufe das Boot auch gesteuert werden konnte. Da neue Holzboote am Anfang noch nicht ganz dicht sind, drang immer wieder etwas Noorwasser in das Boot ein. Damit das neue Boot nicht während seiner Jungfernfahrt untergeht, muss Reinhard vorher mit einem Ösfass das Wasser aus dem Boot schöpfen.

Während Reinhard Erichsen das neue Wikingerboot fertig ausrüstet, erschien eine Schulklasse von der Grundschule Busdorf und stellten sich auf der Landebrücke für eine Gesangsprobe auf.
Nach der Taufe wollten sie dort ein Lied für die Gäste und das Boot singen. Da zum steuern und rudern zwei Wikinger gebraucht werden, kam noch Wulf Freese (freier Mitarbeiter vom Museum) dazu.

Britt Marielle Heideking von der Grundschule Busdorf wird das neue Wikingerboot mit Honigmet aus einem Trinkhorn taufen. Gegen 10:45 war es mit der Ruhe auf der Landebrücke nun endgültig vorbei. Zahlreiche Gäste, Presseleute, Kameraleute und auch Museumsbesucher (die nur zufällig dabei waren), bevölkerten nun die Landebrücke.

Reinhard Erichsen, Uwe Kutzner (Chef von der Museumswerft Flensburg) und Wulf Freese sehen sich die Taufe von der Landebrücke aus an. Britt Marielle Heideking tauft hier im Beisein von Frau Ute Drews (Direktorin vom Wikinger-Museum Haithabu) und bei laufender Kamera (NDR) das neue Wikingerboot auf den alt isländischen Namen "Nökkvi". Laut der Zeitung soll Nökkvi soviel wie "kleines Schiffchen" bedeuten aber da ich viele Hunde auf Island kenne, die ebenfalls Nökkvi heißen... schickte ich eine E-Mail nach Island, ob das auch wirklich "kleines Schiffchen" bedeutet.
Bisher erhielt ich noch keine Antwort von der Eisinsel. Nach der Taufe hielten Prof. Claus von Carnap-Bornheim (Leiter des Archäologischen Landesmuseums), Herr Uwe Kutzner sowie Frau Ute Drews eine Rede über die Bedeutung der Schifffahrt im damaligen Haithabu, wie Haithabu mit dem Wasser verbunden war und wie Wichtig Nökkvi für das heutige Haithabu und Museum wäre.
Leider störten am Anfang immer mal wieder überfliegende Tornados die Reden.

Direkt nach der Taufe war es nun für Nökkvi soweit. Seine erste Fahrt auf dem Haddebyer Noor, sogar mit dem ersten Passagier. Neben Reinhard Erichsen und Wulf Freese fuhr noch eine Kamerafrau vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) mit. Zum Verdruss der zahlreichen Presseleute, da die unbedingt Nökkvi mit den Wikinger fotografieren wollten. Daher gab es gleich nach der Jungfernfahrt noch eine weitere Ruderfahrt, diesmal nur mit zwei Wikinger in dem Wikingerboot. Die letzte Fahrt war dann noch mal extra für zwei Fotografen, da die für die Zeitungen noch einige Aufnahmen haben wollten. Eine Aufnahme davon wurde dann auch tatsächlich auf der Titelseite der Kieler Nachrichten abgedruckt.

Während Nökkvi auf dem Noor unterwegs war, gab es auf der Landebrücke zahlreiche Interviews mit der Presse.

Nach der letzten Ausfahrt auf dem Noor wurde Nökkvi von Reinhard an Land gezogen und dort festgemacht.

Frau Ute Drews, Uwe Kurzner, Reinhard Erichsen und Wulf Freese Landebrücke Haithabu 27-05-2009

Langsam verlassen die Fotografen und Kameraleute die Landebrücke und es wurde dann auf ihr wieder recht ruhig. Die Taufe und die Jungfernfahrt verlief an diesem Tag sehr Erfolgreich und wurde am Ende mit etwas Honigmet aus dem Trinkhorn beendet.

Das Wikinger-Museum bietet für Gruppen, wie zum Beispiel Schulklassen erlebnisorientierte Programme in den Wikinger Häusern Haithabu an. Darunter sind Angebot wie Fischfang am Haddebyer Noor – Wie die Wikinger Fische fingen und zubereiteten. Oder vom Korn zum Brot – Brotbacken in Haithabu. Marion und Sven Hopp waren daher auch an diesem Tag zusammen mit einer Schülergruppe in Haithabu und zeigten Brotbacken und Bogenschießen in Haithabu.
Mehr Information auf der Museumsseite (rechts im Kasten) unter dem Link: "Erlebnis Pädagogik WHH".

Das Gokstad-Beiboot steht übrigens als Original aus der Ausgrabung im Wikingerschiffshaus auf Bygdøy / Oslo, Norwegen und kann dort zu den üblichen Öffnungszeiten besichtig werden.

Småbåtene fra Gokstad / Die Beiboote von Gokstad
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