Tagebuch aus Haithabu / Hedeby
 
   
25 Jahre Wikinger Museum Haithabu
16. Mai 2010 - 11. Gottorfer Landmarkt
[Überarbeitet am: 11. Februar 2014]

Da leider an diesem Wochenende die Veranstaltung ''Handwerk im Experiment“ – Im Haus des Tuchhändlers: Weben am Gewichtswebstuhl und Filzen mit Hallveig (Michaela Kafai) und Ragna Taegen ausgefallen war, besuchte ich nach langer Zeit mal wieder das Schloss Gottorf.
Denn der 16. Mai 2010 war ein besonderer Tag, da auf Schloss Gottorf der 11. Gottorfer Landmarkt stattfand und zugleich dieser Tag auch der internationale Museumstag war. Der Gottorfer Landmarkt ist die größte bundesweite Öko-Meile mit 180 Ausstellern über ökologische Erzeugnisse. Es wurden dort Produkte wie Käse, Gemüse, Säfte, Weine und biologisch angebauten Kräutern, Blumen, Stauden und dann Kosmetik und Pflegeprodukten aus natürlichen Rohstoffen gezeigt und auch zum Verkauf angeboten. Und mit der Eintrittskarte (Preis: 3,00 Euro) durfte man neben dem Gottorfer Landmarkt auch in die Ausstellungen des Landesmuseums (Archäologie, Kunst- und Kulturgeschichte, Barockgarten (leider ohne Globushaus) sowie die Nydamhalle) gehen.

Zusätzlich wurde dort eine Dampflokomobil, Dreschwerk und Solarflitzer vorgestellt. Einige der Aussteller haben auch über ökologisches Bauen, alternative Energienutzung sowie über Tier- und Umweltschutz informiert. Für Kinder gab es einen Mitmach-Öko-Dorf mit museumspädagogische Kinderbetreuung. Besonders Vorteilhaft für Eltern, wenn sie sich eines der Ausstellungen ohne ihre Kinder ansehen wollten. Innerhalb des Schlosshofes (Kulturhof) war eine Theaterbühne mit Aufführungen durch das Schleswig-Holsteinische Landestheater oder Musik, wie zum Beispiel Jazz.
Es gab auch viele Wissenschaftsführungen wie zum Beispiel: Waffen der Bronzezeit, die Gottorfer Schlosskapelle, das Geheimnis der Moorleichen, Gotische Sakralplastik und noch vieles mehr.
Wer neben Ökologie sich auch für Kultur und Kunst interessiert, wird sich an diesem Tag auf gar keine Fall auf Schloss Gottorf langweilen.

Aber deswegen war ich eigentlich nicht auf Schloss Gottorf, sondern nur wegen der Führung in der Archäologischen Zentralwerkstatt (AZW) und um Reinhard vom Wikinger Museum zu besuchen, war ich dort. Zuerst aber machte ich meinen Rundgang durch die Nydamhalle.
Obwohl ich das Nydamboot schon so oft besucht habe, bin ich immer wieder gerne dort oben auf Besucherbühne und seh mir das Boot an. In Dänemark entsteht gerade ein Nachbau, dass auch einmal auf dem Schlosssee gerudert werden soll. In der Nydamhalle liegt auch ein Einbaum aus dem Vaaler Moor (Kreis Rendsburg-Eckernförde) mit einer Länge von immerhin 12 Metern aus einem Eichenstamm. Zeit wahrscheinlich 5. bis 6. Jahrhundert nach Christi Geburt.

Wer sich für die Archäologie interessiert und schon immer mal einen neugierigen Blick hinter den Kulissen werfen wollte, sollte unbedingt nächstes Jahr 2011 zum 12. Gottorfer Landmarkt fahren.
In diesem Jahr gab es Führungen durch die Archäologische Zentralwerkstatt (AZW), dann in der Archäologisch-Zoologische Arbeitsgruppe (AZA) und durch die Archäologische Restaurierungswerkstatt für Textilien. Archäologie bedeutet nicht nur irgendwo Funde auszugraben, sondern diese müssen danach unbedingt für die Nachwelt aber auch für die Auswertung restauriert und konserviert werden. Ohne dessen würden wir nichts in den Museen sehen können und die Archäologie hat kaum eine Möglichkeit, die Funde zu analysieren, da sie sonst vorher unwiederbringlich verfallen wären. In der AZW konnten die Besucher erfahren, wie aus einem Haufen voller Rost am Ende schöne Schwerter neu entstehen und dann für ein Museum konserviert werden. Oder in einer anderen Abteilung konnte man sehen, wie vorsichtig der Inhalt aus einer zerdrückten Urne herausgeholt und dann analysiert wurde. Letztes Jahr bei dem 10. Gottorfer Landmarkt konnten die Besucher bei Herrn Stawinoga (Restaurator für Metallfunde) noch eines seiner Arbeiten für das Wikinger Museum bestaunen. Und zwar die kleine Wikinger Truhe mit den Metallbeschlägen, die nun in der neuen Dauerausstellung im Wikinger Museum steht. In der Textilienabteilung war ich nur kurz, da dort die Wissenschaftler mit vielen Fragen von Besucher überhäuft wurden und ich da nicht zusätzlich noch stören wollte. Es ist schön, wenn die Landmarktsbesucher sich dafür interessieren und Fragen stellen. Leider ging dabei meine Frage wegen den Haithabu-Schuhe wohl doch etwas unter, da ich die versprochene E-Mail nicht erhalten habe. Erhalte ich dafür als Trost nun eine Tasse Kaffee?

Fotos innerhalb der Abteilungen habe ich leider schon wieder keine gemacht. Aber da ich unbedingt mal darüber schreiben möchte, was dort auf Schloss Gottorf eigentlich passiert (denn ohne diese Abteilungen auf Schloss Gottorf gebe es keine Ausstellungsobjekte für das Wikinger Museum Haithabu), werde ich dann auch ein paar Fotos über die Leute und deren Arbeiten hier im Tagebuch zeigen, wenn der leitender Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen und Leiter vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein, Professor Dr. Claus von Carnap-Bornheim es mir gestattet.

Auch in diesem Jahr war Reinhard Erichsen von dem Wikinger Museum mit einem Wikinger Stand sowie mit Gebrauchsgegenständen und Waffen auf dem Schlosshof (Kulturhof) und machte dort Werbung für das Wikinger Museum. Ich war dreimal dort um Reinhard zu fotografieren aber ein „echter“ Wikinger (und besonders Reinhard) kommt bei den Besucher so gut an, dass ich Reinhard oder das Zelt wegen Besucherandrang kaum sehen konnte und es daher noch mal kurz vor dem Ende (18:00 Uhr) versuchen wollte. Aber ich blieb bei einem Archäologen hängen und war erst bei der Abbauphase wieder im Schlosshof. Schade, aber zumindest habe ich das Zelt vor dem kompletten Abbau noch fotografiert und konnte dann wenigstens Reinhard mit dem Zelt helfen und wir packten dann alles in das gelbe „WikingerSteinzeitauto“. Als Arbeitslohn für meine Hilfe nahm Reinhard mich noch bis zum Bahnhof mit und fuhr dann Richtung Wikinger Häuser weiter.

Auch wenn ich viel lieber in das Wikinger Museum, bzw. zu den Wikinger Häuser gehe.
Eines steht mit absoluter Sicherheit schon mal fest. Auch nächstes Jahr, zum 12. Gottorfer Landmarkt, werde ich wieder nach Schleswig fahren. Laut Angabe der Organisation waren immerhin stolze 17 000 Besucher auf dem 11. Gottorfer Landmarkt.

Wie schon am 18. April 2010 möchte ich am Schluss noch auf eine Übersetzung von Frau Professorin Inga Hägg hinweisen. Sie war so freundlich und hat für das Haithabu-Tagebuch eines ihrer Artikel mit dem Titel: „Populärvetenskap – en samvetsfråga?“ übersetzt. Da dieser Artikel sehr lesenswert ist, kann man nun die Übersetzung „Populärwissenschaft – eine Gewissensfrage?“ in der Rubrik Artikel finden. Einfach das Bild unten anklicken und man landet direkt auf die Seite mit dem Artikel.
Zusätzlich noch eine Information - Voraussichtlich 2011 2013 wird das neue Buch von Frau Professorin Inga Hägg mit dem Titel: „Textil und Tracht in Haithabu“ veröffentlicht.

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