Tagebuch aus Haithabu / Hedeby
 
   
25 Jahre Wikinger Museum Haithabu
28. März 2010
Eröffnung der neuen Dauerausstellung
Wikinger Museum Haithabu

Gestern am Samstag, 27. März 2010 wurde zusammen mit dem dänischen Kulturminister Per Stig Müller, mit dem Landesarchäologen und leitender Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf Professor Claus von Carnap-Bornheim, Museumleiterin Frau Ute Drews und zahlreiche Ehrengäste von dem Ministerpräsidenten aus Schleswig-Holstein Peter Harry Carstensen das erneuerte Wikinger Museum Haithabu eröffnet.
Michaela Kafai (Hallveig) hat auf ihren Blog (mit einigen Bilder) darüber etwas geschrieben.
Außerdem wurde auch zahlreich in den Medien über die neue Dauerausstellung und Eröffnung ausführlich berichtet. Alle Links befinden sich rechts im Kasten.

Da bei solchen Veranstaltungen immer lange Reden gehalten werden und man eigentlich kaum die Ruhe findet, sich die Ausstellung mal genauer anzusehen. Plante ich meinen ersten Besuch in der neuen Dauerausstellung heute am Sonntag. Da die neue Dauerausstellung auch aus sehr viel Glas besteht und ich nicht unbedingt die Fingerabdrücke von Museumsbesucher abfotografieren wollte, war ich schon recht Früh am Wikinger Museum und zwar gegen ca. 08:40 Uhr.

Obwohl ich in der neuen Dauerausstellung Besucher Nr. 001 war, gab es keinen Sektempfang und keine Pressefotografen. ;-) Dafür wurde ich ganz herzlich vom Museumspersonal begrüßt. :-)
Wer das Museum besuchen kommt, darf sich darüber freuen, dass die Eintrittspreise trotz des Umbaues und der Wirtschaftskrise nicht erhöht worden sind!
Einen Ausstellungskatalog mit dem Titel: Haithabu - Fernhandel zwischen den Welten von
Frau Birgit Maixner gibt es für 14,80 € an der Kasse.

Bevor ich etwas über die neue Ausstellung schreibe, erst mal die Schattenseite:

  1. Keine Textiliensammlung mehr. Wer sich dafür interessiert, wird im Museum keine Schuhe und Fragmente mehr finden.
  2. Einige Stolperfallen. Ich fürchte, sobald das Museum mit Besucher gut gefüllt ist, werden einige Besucher über die Kuppeln und Kästen "stolpern".
  3. Ältere Besucher werden wohl die Funde in den Kuppeln auf dem Boden in der Schiffshalle kaum zu sehen bekommen, da die sich dafür bücken müssen.
  4. Die Kassenzone befindet sich leider nicht wie geplant im Eingangsbereich, sondern in einer Nebenwabe. Dadurch ging leider Ausstellungsfläche verloren.
Eigentlich möchte ich von der neuen Dauerausstellung nicht so viel Verraten aber da ist so viel zu sehen und darunter eben halt auch viel Neues, dass für einen Wikingerfan ein Besuch so oder so sich nicht vermeiden lässt. Man merkt es der neuen Dauerausstellung an, dass das Hauptthema mehr beim Handwerk und Handel liegt und das Haithabu die bedeutendste Stadt Nordeuropas im Frühmittelalter war. Schön finde ich die Idee, dass die Ausstellung mit viel Holz ausgestaltet wurde. In der Nähe von Haithabu befand sich mal ein Bootskammergrab mit einer umfangreichen Ausstattung.
Davon steht nun im Museum ein Modell im Maßstab 1:10. Gebaut von Herrn Harm Paulsen, der alle Modelle für die neue Dauerausstellung baute. Die Funde aus dem Bootskammergrab wurden aufwendig in der AZW restauriert und sind nun in der Wabe drei ausgestellt. Ebenfalls werden nun auch die Funde aus dem Kammergrab einer reichen Frau dort in der Wabe ausgestellt. In einer großen hintergrundbeleuchteten Glasvitrine befinden sich zahlreiche (darunter auch recht bunte) Glasperlenfunde aus Haithabu. In Haithabu wurde bei einer aktuellen Grabung in einem Grubenhaus Überreste von einem Kuppelofen gefunden, in dem im 11. Jahrhundert vermutlich Glasperlen hergestellt worden sind.


Besonders über die Ausstellung dieser Wikinger-Truhe habe ich mich sehr gefreut.

Letztes Jahr konnte ich diese Truhe schon vorab bei Herrn Gerhard Stawinoga (Restaurator und Spezialist für Metalle) in der Archäologischen Zentralwerkstatt (AZW) auf Schloss Gottorf bewundern. Also diese Arbeit ist ihm wirklich gelungen und nun ist die Truhe endlich da, wo sie hingehört und von den Besuchern bestaunt werden kann. Kaum vorstellbar, dass diese Metallplättchen noch vor der Restauration reine undefinierbare "Rostklumpen" waren.

In der fünften und letzten Wabe befindet sich ein großer begehbarer gläserner Kobus.
Darin werden all die in Haithabu gehandelten Waren, die aus vielen Orten der Welt kamen, gezeigt und erklärt.
In der großen Wabe (Schiffshalle) mit dem königlichen Langschiff wurde eine Landebrücke mit Szenen aus Haithabu nachgebaut. Unten am Langschiff wurde auf dem Boden kleine gläserne Kuppeln mit Funden aus dem Hafenbereich aufgestellt. Die Truhe (obere Großaufnahme) befindet sich darunter. Der Museumsumbau war für alle Beteiligten eine recht stressige Zeit aber sie haben es geschafft und nun kann der Besucher nach Monaten endlich wieder in die Welt der Wikinger abtauchen. Auf jeden Fall lohnt sich ein Museumsbesuch und man sollte auch wirklich viel Zeit mitbringen. Zusammen mit den Wikinger Häuser direkt in der Stadt Haithabu vergehen einige Stunden und wahrscheinlich hat man da immer noch nicht alles gesehen.


Da zwischen 10:00 und 11:00 Uhr ich mich mit Michaela und Wulf (einer der Moderatoren vom Museum) bei den Wikinger Häuser treffen wollte, holte ich meine Sachen aus dem Keller und ging dann zu den Häuser. Unterwegs ist mir aufgefallen, dass der Nordwall an einigen Stellen etwas abgesackt ist. Und oben auf dem Wall konnte ich anhand der Zelte erkennen, dass Iris und Matthias Barkmann von Vikingr-Kontor auch wieder nach Haithabu zurückgekehrt waren. Leider haben auch die Bohlenwege bei den Häuser in Haithabu unter den strengen Winter gelitten. Wahrscheinlich wird es da in diesem Jahr noch einige Reparaturen geben und Bohlen ausgetauscht.

Ein neuer Händler hat in der alten Handelssiedlung seinen Verkaufszelt aufgestellt. Goldschmiedemeister Heiko Krisch aus Schönbek bei Bordesholm. Er bleibt noch bis Donnerstag,
01. April 2010 in Haithabu. Interessante Schmuckstücke für die Wikingerfrauen und -Männer sowie interessante Preise. Weitaus günstiger als so mancher Mittelaltermarkthändler der keine Ahnung von Goldschmiedearbeiten hat.

Am heutigen Sonntag hatte ich auch noch eine wichtige Mission. Für Professorin Inga Hägg wollte ich Michaelas (Hallveig) Trägerrock fotografieren.

Nachtrag: Wer etwas über das Gewebe, die Färbung etc. wissen möchte, findet diese Informationen auf Hallveigs Blog unter "Neuer Trägerrock" vom 29. März 2010.
Ich freue mich schon auf das neue Buch von Professorin Inga Hägg mit dem Titel: "Textil und Tracht in Haithabu" und wünsche nach Schleswig viel Erfolg bei der Durchsicht vom Manuskript. Für eine Seemannstracht gab mir Michaela neue Socken, die eng genadelt wurden aber perfekt an den Füßen passen.

Und zum Schluss der Beweis:

Wikingerkaffee in Haithabu WHH (Reinhard, Michaela und Lasse) 28-03-2010
Auch die Wikinger im Museum Haithabu brauchen zum aufwärmen mal eine kurze Kaffeepause.
Und wie Lasse so schön geschrieben hatte: "Kaffee - Das Elixier der Wikinger".

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