Tagebuch aus Haithabu / Hedeby
 
   
25 Jahre Wikinger Museum Haithabu
31. Oktober 2010 - Winterpause in Haithabu

Leider endete an diesem Sonntag die Saison 2010 bei den Wikinger Häuser in Haithabu.
Die Häuser sind bis Anfang April 2011 für die Besucher geschlossen. Die letzte Veranstaltung an diesem Tag war eine Mitmachaktion für Kinder von Dieter Graesch und Stefan Schloßbauer von Opinn Skjold. Thema war: „Schmuck und Spielsteine aus Bernstein“. Eine weitere Mitmachaktion war das Bogenschießen von Sven Hopp, ebenfalls ein Wikinger von Opinn Skjold. Aber vorher möchte ich noch kurz über zwei Tage aus diesem Monat Oktober 2010 berichten, da ich an diesen beiden Tagen ebenfalls bei den Wikinger Häuser war.


10. Oktober 2010:

An diesem Sonntag war ich wegen der letzten Veranstaltung von Raphaela (Raphi) und Christoph Roeser bei den Wikinger Häuser und sah mir einige Arbeiten aus Knochen und Geweihe von Christoph im Haus des Kammmachers [Nr. 1] an. Ich nutzte diesen sonnigen Tag auch für Aufnahmen vom Stoff unten auf der Landebrücke, das Hallveig (Michaela Kafai) für mich gewebt hatte. Was daraus wird, werde ich hier noch nicht verraten. Ok, eigentlich habe ich das ja doch. ;-) Hallveig schrieb auf ihrem Blog etwas über die Herstellung. Bericht auf Hallveig - Frühes Handwerk (Blog): 25.09.2010. Am Ende des Museumstages machte ich eine Gegenlichtaufnahme von Reinhard Erichsen (der einsame Wikinger bei den Wikinger Häuser), als er auf seinem Kontrollgang Richtung Landebrücke unterwegs war. Eine halbe Stunde vorher konnte ich ihn fotografieren, wie er die Haithabu-Hühner gefüttert, oder besser geschrieben, mit Futter in den Hühnerstall reingelockt hatte.


24. Oktober 2010:

Am heutigen Sonntag wollte ich eigentlich nicht nach Haithabu fahren, da ich schon ein Treffen mit einem Archäologen geplant hatte aber Wulf (Freese), ein Moderator vom Wikinger Museum Haithabu (und Archäologe a. D.), schrieb mir eine Mail, dass er wegen einer Greifvogelveranstaltung evtl. nach Haithabu fahren wollte. Also ging ich nach dem Treffen (Danke für die Kekse, Kaffee und das Buch über die Hafengrabungen in Haithabu) von Schloss Gottorf nach Haithabu und erschreckte mich auf dem Nordwall erst mal, als ich zu den Wikinger Häuser hinüber blickte. Es sah von dort oben aus, als ob die ganzen Leute an der Kassee anstehen würden. Wäre ja für das Museum ein Besucherrekord und gut für die Kasse aber die Häuser wären dann wohl nach solch einen Ansturm hinüber und ich komme an diesem Tag nicht mehr hinein. Aber die Leute standen nicht an der Kasse an, sondern hielten sich direkt neben der Museumsfreifläche auf, da dort die Greifvogelschau veranstaltet wurde.

Auf der Videoplattform YouTube habe ich einen Film über diese Greifvogelschau in Haithabu gefunden und hier nun im Tagebuch eingebettet / verlinkt. Laut den Medien verfolgten über 500 Menschen die Greifvogelschau und Falkner Dietmar Damm führte etwa ein Dutzend verschiedener Vögel vor. Darunter Steinkauz, Schleiereule, Uhu, Bartkauz, Buntfalken, einen Mäuse- und Wüstenbussard und sogar einen Seeadler. Der Deutsche Falkenorden veranstaltete in Schleswig-Holstein ein Treffen von Falkner aus ganz Deutschland und dazu gehörte diese Greifvogelschau in Haithabu.

Oben direkt an der ehemaligen Archäologen-Baracke entdeckte ich Nökkvi, ein wikingerzeitliches Ruderboot (Nachbau, Vorbild war ein Beiboot aus Gokstad), das wegen dem Winter (Eisgefahr) aus dem Haddebyer Noor geholt wurde und nach einer baldigen Reparatur unter dem Barackenvordach aufgestellt wird. Nökkvi liegt seit seiner Taufe am 27. Mai 2009 [Bericht: 27.05.2009] während der gesamten Saison immer auf dem Haddebyer Noor und wird nie an Land gezogen. Darunter leidet das Boot und muss daher etwas mehr gepflegt werden als sonstige Ruderboote, die die meiste Zeit am Land verbringen und nur bei einer Ausfahrt in das Wasser kommen. An diesem Sonntag waren auch Mitglieder von der Wikinger-Theatergruppe Midgaard-Skalden in Haithabu. Museumsleiterin Frau Ute Drews und Reinhard Erichsen führten die Mitglieder von der Theatergruppe durch Haithabu und hielten kleine interessante Vorträge über das Leben der damaligen Bewohner. Auf der Freilichtbühne oben auf der Hochburg (oberhalb vom Wikinger Museum) erzählen jedes Jahr die Mitglieder von der Theatergruppe Geschichten aus dem Alltag und der Mythologie der Wikinger. Weitere Informationen und Spielplan für das kommende Jahr 2011 findet man auf deren Internetseite. Wie ich anfangs schon geschrieben habe, waren auch Dieter Graesch und Stefan Schoßbauer wegen einer Mitmachaktion in Haithabu und hielten sich im Versammlungshaus [Nr.5] am Feuer auf. Es war dort richtig schön gemütlich und warm, daher saßen dort auch gerne einige Museumsbesucher und hörten sich die alten Sagas über die Nordmänner an.

An diesem Sonntag endete auch für Vikingr-Kontor die Saison bei den Wikinger Häuser. Ich sah mir im Verkaufszelt zum letzten Mal in diesem Jahr die Ware an und entschied mich dann für einen „magischen Glücksstein“, da davon nicht mehr viele im Angebot waren und der Lieferant auch keine mehr an Vikingr-Kontor liefern wird. Alle Steine waren sehr bunt und schön, von daher war die Wahl nicht leicht und es dauerte recht lange, bis ich endlich einfach zugegriffen habe. Iris band noch eine Schnur an den Stein, damit ich es um den Hals tragen konnte. Nach 17:00 Uhr wurden dann die Zelte von Iris und Matthias Barkmann abgebaut und langsam näherte sich in Haithabu die Winterpause. Aber April 2011 bei dem 1. Frühjahrsmarkt ist Vikingr- Kontor wieder in Haithabu zurück und ein kleiner Stand von Vikingr-Kontor steht bis dahin drüben im Wikinger Museum in der Kassenwabe. In der gleichen Wabe befindet sich auch ein Museumsladen [Artikel: Museumsladen Wikinger Museum Haithabu] und das bleibt auch in der Wintersaison für die Museumsbesucher geöffnet.

Wulf (Freese) war dann auch tatsächlich zusammen mit seiner Frau und Dr. Helmut Kroll (Archäobotaniker vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) bei den Wikinger Häuser. Herr Dr. Kroll hält jedes Jahr in Haithabu archäologisch-botanische Führungen und berichtet darüber, wie die Pflanzen- und Tierwelt im damaligen Haithabu ausgesehen hatte und wie sich die damaligen Bewohner ernährt haben. Hier im Tagebuch schrieb ich schon darüber [1. Bericht: 05.07.2009] [2. Bericht: 20.06.2009]. Wenn man Glück hat, dann begleitet Museumsleiterin Frau Ute Drews die Führung und berichtet über die damalige Welt und zusammen mit Herrn Dr. Kroll entwickelt sich daraus eine sehr interessante archäologische Führung, die sich für jeden interessierten Museumsbesucher wirklich lohnt, da die Führung sehr verständlich gehalten wird.


31. Oktober 2010:

Für diesen letzten Museumstag (bei den Wikinger Häuser, dass eigentliche Museum bleibt auch in der Winterzeit weiterhin geöffnet) hatte Wulf (Freese) eine sehr gute Idee gehabt. Und zwar könnte ich zum Abschluss der Saison 2010 Reinhard (Erichsen) beim abschließen von dem Tor zu den Wikinger Häuser fotografieren. Also packte ich meine Kamera ein und fuhr trotz Regen mit der Nord-Ostseebahn nach Schleswig, von dort wanderte ich erst mal nach Busdorf und besichtigte dort das Dorfmuseum, da an diesem Sonntag einen „Tag der offenen Tür“ hatte. Es gab immer ein „Gerücht“, dass dort Funde aus Haithabu und Umgebung aus der Wikingerzeit liegen würden und das wollte ich mir mal genauer ansehen. Aber leider war das nur ein „Märchen“, es gibt dort nichts aus der Wikingerzeit. Aber im hintersten Ecke fand ich dafür einen interessanten Mahlstein mit dem vermutlich dazugehörigen Reibestein. Auch wenn wahrscheinlich lange vor der älteren Eisenzeit (ich beschäftige mich lieber mit der älteren und jüngeren skandinavische Eisenzeit) könnte das aufgrund der guten Erhaltung für die Archäologie ein sehr interessanter Fund sein und ich will daher diese Steine noch unbedingt in der nächsten Zeit mal fotografieren.

Aber da ich noch vor 17:00 Uhr bei den Wikinger Häuser sein wollte, „riss“ ich mich vom Busdorfer Mahlstein los, öffnete meinen Regenschirm und wanderte weiter nach Haithabu. Dort angekommen sah ich noch die letzten Museumsbesucher in dieser Saison und wartete bis 17:00 Uhr. Reinhard (Erichsen) zog dann seine Tracht für dieses Jahr aus und fing an, alle Wikinger Häuser zu verschließen. Zusammen mit Manfred, der sich auch gerade für die Heimreise vorbereitete, holte er dann noch alle Hühner aus dem Hühnerstall (befindet sich in der Herberge [Nr. 7] und nachdem die alle unter „Protest“ in eine halb offene Holzkiste gesteckt worden waren, landeten sie in Reinhards gelbes Steinzeitauto. Nächstes Jahr kommt ein Teil sowie neue Hühner (eine andere Hühnerart) wieder nach Haithabu zurück und beleben dann die Stadt, bzw. Hühnerstall in der Herberge vom neuen.

Und dann war leider die Zeit gekommen, wo die Saison 2010 bei den Wikinger Häuser Haithabu wirklich unausweichlich zu Ende ging. Bevor Reinhard mich zum Bahnhof fuhr, wollte ich unbedingt fotografieren (wegen der Dunkelheit halbwegs Blind), wie Reinhard das Tor zu den Wikinger Häuser abschließt und damit die Winterpause einläutete. Und das geschah dann auch gegen 17:45 Uhr.
Also bis dann, man sieht sich Anfang April 2011 wieder in Haithabu! Ha det bra fra Hedeby!

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