Tagebuch aus Haithabu / Hedeby
 
   
04. September 2011
Messerklingen vom Schmied in Haithabu
[Überarbeitet am: 3. Juni 2012]

Endlich mal ein Sonntag, wo es erst am späten Nachmittag regnen sollte. Daher wollte ich diesen sonnigen Tag ausnutzen und nach Haithabu fahren. Dort war an diesem Wochenende die Vorführung „Amboss, Hammer und Zange – Messerklingen aus dem Schmiedefeuer“ mit Matthias (Barkmann) von Vikingr-Kontor. Außerdem habe ich erfahren, dass sich zwei Wikingergruppen bei den Wikinger Häuser aufhalten und die wollte ich mir mal aus der Nähe ansehen. Und zusätzlich bat mich ein norwegischer Archäologe um ein paar Aufnahmen aus dem Museum. Aber erst mal durfte ich mit der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) eine Stunde später als geplant fahren, da dort die Lokführer mal wieder gestreikt haben und in Schleswig angekommen, wurde ich vom Regen überrascht.
Regen am Vormittag?! Das wurde zwar nicht so vorhergesagt aber ich hatte zum Glück einen Regenponcho mitgehabt. In Haithabu angekommen, hörte es endlich auf zu regnen und es blieb ab dann die ganze Zeit trocken bis ...

Reinhard (Erichsen) hatte heute „Wikingerdienst“ gehabt, Manfred samt Frau waren auch wieder da und saßen neben dem Haus des Fischers [Haus Nr. 6]. Von Matthias (Barkmann) hörte ich nichts und ging davon aus, dass er zurzeit nicht am Schmieden war. Aber sein Arbeitszelt war von Museumsbesucher umzingelt und dann sah ich ihn auch, wie er gerade auf irgendetwas mit einem Hammer draufschlug. Erstaunlich leise war das, und von der kleinen Brücke am Bach kaum zu hören. Wie ich später von Matthias (Barkmann) erfahren habe, lag das an dem neuen Amboss. Wie ich oben schon geschrieben habe, wurde die ehemalige Stadt Haithabu von zwei Wikingergruppen belebt. Die eine Gruppe namens „Nordic Stalking“ (aus Dithmarschen) hielt sich oben direkt neben der Herberge [Haus Nr. 7] auf. Dort oben stand auch eine Kochstelle. Die zweite Gruppe namens „Die Keiler“ (aus Kiel) hielten sich weiter unten in der Stadt, direkt neben dem Versammlungshaus [Haus Nr. 5] auf.

Der Eingang in die Holzwerkstatt in dem Haus des Kammmachers [Haus Nr. 1] ist eigentlich für den Museumsbesucher verschlossen. Man kann zwar in die Werkstatt hineinsehen aber zum Schutz des Inventars (Kämme, Geweihe, Werkzeug etc.) eben nicht hineingehen. Wenn aber der Eingang geöffnet ist, dann bedeutet das in der Regel, dass dort in der Werkstatt gerade jemand arbeitet und der Museumsbesucher dort hineingehen und zugucken darf. Also ging ich hinein und entdeckte tatsächlich einen Handwerker bei seiner Arbeit. Es war diesmal kein Kammmacher sondern ein Holzhandwerker. Museumsdarsteller dürfen auch in den Häusern leben und arbeiten, dadurch werden die Häuser belebt und es schützt auch etwas vor dem Verfall.

Matthias (Barkmann) von Vikingr-Kontor und Mitglied der Wikingergruppe „Opinn Skjold“ schmiedete tatsächlich an diesem Tag viele Messerklingen. In aller Ruhe schmiedetet er die Klingen und beantwortete nebenbei die Fragen der Museumsbesucher. Mir ist aufgefallen, dass besonders Kinder sich sehr für die Schmiedearbeiten interessierten und viele Fragen an Matthias (Barkmann) stellten. Er nahm sich auch die Zeit und zeigte ihnen dann das Schwert und die anderen Arbeiten, die sich in einer Holzvitrine befanden, und erklärte ausführlich, wie diese Arbeiten entstanden sind. Ein kleiner Junge (etwa 10 Jahre alt) hielt sich besonders lange (über eine halbe Stunde) bei Matthias (Barkmann) auf und sah ihm bei der Arbeit zu. Vermutlich wäre er auch noch länger geblieben aber seine Mutter wollte langsam nach Hause und so verließ ein möglicher junger neuer Anwärter auf das Schmiedehandwerk Haithabu.

Auf einem Tisch vor dem Schmiedezelt lagen zwei Arbeitsstücke von Matthias (Barkmann), damit die Museumsbesucher anschaulicher verstehen konnten, wie zum Beispiel ein Schwert mit einer schönen, dekorative Damastmuster entstehen kann. Damit solch ein Muster entstehen kann, werden Stahlstäbe in einem Gittermuster verflochten und dann miteinander verschweißt.

Wer sich für die Herstellung eines Schwertes interessiert, sollte unbedingt die Internetseite von „Skjoldmus“ besuchen, da dort gerade über die Herstellung eines Inschriften-Schwertes eine Serie von Artikeln geschrieben wird. Einfach [KLICK MICH] anklicken und es öffnet sich eine neue Seite mit dem Skjoldmus-Schwertartikel.

Unten an der Landebrücke liegen zwei Einbäume und „Nökkvi“ (Nachbau von einem wikingerzeitlichen Ruderboot aus Gokstad) und an diesem Tag nutzten einige Belebungsdarsteller das schöne Wetter für eine Ausfahrt auf dem Haddebyer Noor.

In Haithabu wurde in der Wikingerzeit nicht nur geschmiedet, sondern es wurden auch Glasperlen hergestellt. Sven (Hopp) führt diese alte Tradition im Wikinger Museum auf der Museumsfreifläche fort und wer als Museumsbesucher auch mal möchte, darf bei der Arbeit mithelfen und seine eigene Glasperle herstellen. Direkt neben dem Perlenmacherzelt konnten an diesem Tag einige Museumsbesucher mit einem Haithabu-Bogen auf Tiere (natürlich aus Plastik) schießen und danach auch nach den verschossenen Pfeilen suchen.

Kurz nach 16:00 Uhr verließ ich die Wikinger Häuser, damit ich im Museum noch ein paar Aufnahmen für einen norwegischen Archäologen machen konnte und oben auf dem Nordwall angekommen, ging die Welt mit einem Sturzregen unter. Nass wurde ich zwar nicht (Regenponcho sei Dank) aber ich wurde oben auf dem Nordwall beinahe von Besucher umgerannt, da die wohl nicht damit gerechnet haben, dass Norddeutsche bei Sturzregen eben nicht gleich in Panik geraten.
Bevor ich zum Abschluss hier eine Aufnahme aus dem Museum zeige (weitere Aufnahmen befinden sich in einem Flickr-Album, der Link dahin rechts unter „Haithabu WMH“), noch ein Linktipp von mir: Das Gokstad-Boot „Nökkvi“ von dem Wikinger Museum Haithabu wurde in der Museumswerft Flensburg gebaut. Das Wikingerschiff Museum Roskilde baut seit Jahren erfolgreich Nachbauten von gefundenen Wikingerschiffe und -Boote. Und auf deren Internetseite wird solch ein Nachbau von einem Gokstad- Boot (Titel: „Präsentation des kleinen Boots von Gokstad„) beschrieben.
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Die Töpfereien im rheinischen Vorgebirge stellen aus dem gleichen hellen und fein gemagerten Ton auch große Gefäße mit aufgelegtem verzierten Bändern her. Diese sogenannten „Reliefbandamphoren“ dienten als Vorratsgefäße.

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