Tagebuch aus Haithabu / Hedeby
 
   
25. September 2011 - Jördis, die Schreckliche

Vor einigen Wochen hörte ich einen Archäologen sagen, dass Haithabu eine tote Stadt sei und dort heute keine Geschichte mehr stattfindet. Nun, ich sehe das ganz anders. Sicherlich laufen in Haithabu keine eisenzeitlichen Skandinavier (Wikinger) mehr herum (zum Glück bleiben die in ihren Gräbern) und es ist auch keine bewohnte Stadt mehr. Aber seit dort die sieben Wikinger Häuser als Rekonstruktionsversuche stehen, kehrte auch das Leben in Haithabu wieder zurück. Jedes Jahr kommen Menschen nach Haithabu, die dort als Handwerker arbeiten, als Händler Waren verkaufen und zum Teil dort sogar für eine kurze Zeit in den Häusern oder in den Zelten wohnen. Und man darf natürlich nicht die Tagesgäste, also die Museumsbesucher vergessen. Somit lebt die Geschichte in Haithabu weiter und vielleicht wird man sich eines Tages auch eine Saga über „Jördis, die Schreckliche aus Haithabu“ erzählen.

Da jede Saga einen Anfang hat, fange ich doch erst mal mit dem heutigen Tagebucheintrag an. Raphi und Christoph (Roeser) hatten heute ihre letzte Veranstaltung in Haithabu für diese Saison 2011 (Vorführung Handwerk und Hauswerk im Experiment: „Objekte aus Knochen und Geweih – Kleider aus Wolle gefertigt“) und ich habe die beiden in diesem Jahr leider kaum gesehen oder mit ihnen viel geredet. Daher fuhr ich heute nach Haithabu, um mal mit beiden in Ruhe einen Klönsnack zu halten, wie man hier oben im Norden so schön sagt. Direkt nach meiner Ankunft entdeckte ich am Haus des Handwerkers [Haus Nr. 4] zu meiner Überraschung einen Handwerker, der nicht im Programm stand und ich auch noch nicht bisher kannte. Es war Niels (Bargheer), der zusammen mit seiner Familie das erste Mal als Handwerker und Händler in Haithabu war. Er zeigte auf einem Tisch eine Auswahl seiner Arbeiten, kunstvolle Ketten aus Silberdraht für Trachtenschmuck sowie einige Kochtöpfe aus Metall.

Niels Bargheer mit Familie in Haithabu auf der Museumsfreifläche.

Es hat ihn in Haithabu sehr gefallen und er würde gerne auch nächstes Jahr wieder nach Haithabu fahren, wenn er dafür etwas Zeit findet. Dann aber diesmal auch mit einer Ankündigung im Jahresprogramm 2012. Vielleicht ist er auch schon in diesem Jahr auf der Herbstmesse in dem Wikinger Museum Haithabu (nicht auf der Museumsfreifläche) mit dabei.

Niels Bargheer bot in Haithabu nicht nur seine Arbeiten an, sondern stellte vor den Augen der Museumsbesucher auch seine Waren her.

Marion und Sven (Hopp) waren ebenfalls in Haithabu und stellten wieder einige schöne Glasperlen her. Vor dem Zelt des Glasperlenmachers stand ein Tisch mit zahlreichen Glasperlen zum Verkauf. Eigentlich fehlt nun in Haithabu für den Glasperlenmacher ein Grubenhaus [Haus Nr. 8(?)], die zahlreich in Haithabu vorhanden waren.

Verkaufstisch mit zahlreichen Glasperlen von dem Glasperlenmacher.

Am Haus des Kammmachers [Haus Nr. 1] erlebte ich dann die nächste schöne Überraschung des Tages. Neben Raphi, Christoph und Jördis (Roeser) waren dort auch Maren (Hasert) mit ihrer kleinen Tochter und zusammen mit Beeke, eine friesische Häsin. Maren auch bekannt als Hrefna Kjartansdottir war zwar schon häufig als Museumsbesucherin in Haithabu aber an diesem Wochenende war sie zum ersten Mal als Belebungsdarstellerin auf der Museumsfreifläche.

Links: Maren Hasert mit ihrer Tochter (Hintergrund Jördis Roeser). Rechts: Häsin Beeke

Aus Jördis ist regelrecht ein Wirbelwind geworden und das, obwohl sie gerade mal erst ein Jahr alt ist. Raubte von ihrer neuen großen Schwester ständig Beeke. Raubte von ihrer Mutter von dem Gewichtswebstuhl die Webgewichte (sorgen bei den Kettfäden, die am stehenden Webrahmen senkrecht herunterhängen, für die zum Weben nötige Spannung) und erschreckte gerne neugierige Museumsbesucher, wobei die das eher lustig fanden. Und auch ihren Vater, den Knochenschnitzer, gab sie schon eine Richtung ihrer geplanten Raubzüge an, auch wenn er sie noch nicht dahin tragen wollte.

Wirbelwind Jördis Roeser tobt sich in Haithabu aus.

Während Jördis (Roeser) ihre Schreckensherrschaft in Haithabu weiter absicherte, arbeitete ihre Mutter Raphi (Roeser) an dem Webstuhl und ihr Vater Christoph (Roeser) stellte neue Kämme her. Maren (Hasert) arbeitete mit einer Handspindel und zeigte den interessierten Museumsbesucher, wie das genau funktionierte. Bevor das Museum geschlossen wurde, schaute Museumsleiterin Frau Drews noch mal vorbei und es sieht wirklich danach aus, dass Niels (Bargheer) nun ebenfalls häufiger nach Haithabu als Handwerker fahren wird.

Leider endete dieser schöne Tag gegen 17:00 Uhr, da Familie Roeser und Hasert nach einem schönen aber auch anstrengenden Belebungswochenende nach Hause fahren wollten, oder zumindest zu 50%, da die andere Hälfte gerne etwas länger in Haithabu geblieben wäre. Aber im neuen Jahr sehen wir uns ja alle in Haithabu wieder und dann wird wohl auch wieder Jördis zusammen mit ihrer neuen großen Schwester durch Haithabu wirbeln.

Nach einem Belebungswochenende auf der Museumsfreifläche in Haithabu geht es nun nach Hause.

Fürchtet Euch vor Jördis, die Schreckliche aus Haithabu.

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