Tagebuch aus Haithabu / Hedeby
 
   
20. Mai 2012 – IG FrüHer und Kugeltöpfe

Laut dem WMH-Jahresprogramm waren an diesem Wochenende die Darstellergruppe „IG FrüHer“ in Haithabu und belebten mit einer Mitmachvorführung „Unter den Dächern von Haithabu – Hauswerk und Handwerk wie vor 1000 Jahren“ die Wikinger Häuser auf der Museumsfreifläche. Und zusätzlich war auch Iris (Barkmann) von Vikingr-Kontor mit der Vorführung „Was kocht denn da im Kugeltopf“ in Haithabu. Zwei gute Gründe, an diesem Sonntag nach Haithabu zu fahren. Aber meine erste Wanderung geht nach Schloss Gottorf, da ich mir dort kurz mal den 13. Gottorfer Landmark ansehen wollte. Es war wirklich ein sehr kurzer Besuch, da die Schlossinsel so überfüllt mit Besucher war (laut dem Schleswig-Holstein-Magazin im Fernsehen, war der bundesweit größter Öko-Landmarkt 2012 ein voller Erfolg), dass ich dann doch früher als geplant nach Haithabu wollte. Also den ganzen Weg zurück, über Busdorf weiter Richtung Nordtor und dann, da ich im Museum eine neue Kameraeinstellung austesten wollte, über den nördlichen Stadtwall erst mal Richtung Museum. Unten auf dem Weg, neben der Hochburg, sind mir oben auf der Freilichtbühne einige eigenartige „Konstruktionen“ aufgefallen. Nach dem Museumsbesuch sah ich mir das mal genauer an und stellte fest, dass es sich um eine Theaterkulisse für Midgaard Skalden Wikingertheater e.V. handelt. Für ihr Stück „Flucht nach Haithabu“ haben die dort oben eine kleine Wikingerstadt (Haithabu) aufgebaut. Die Premiere ist am 13.07.2012 um 20:00 Uhr. Mehr Information über Midgaard Skalden findet man auf deren Internetseite. In dem Museumsshopbereich kaufte ich mir das Kinderhörbuch zur Ausstellung „Haithabu“. Das Museum bietet für die Besucher einen Audioguide (Tonführung durch die Ausstellung und Wikinger Häuser) an und einige dieser Audiodateien befinden nun sich als Hörbuch auf einer Musik-CD.

Theaterkulisse für das Stück „Flucht nach Haithabu“. Premiere am 13.07.2012 um 20:00 Uhr.

Auf der Museumsfreifläche in Haithabu sah ich als erstes zu meiner Überraschung Wulf (Freese), der heute am Sonntag dort eine kleine Angebotsführung gab und mit einer kleinen Gruppe von Museumsbesucher sowie einem Wikinger unterwegs hinunter zum Hafen war, da wo sich die Landebrücke befindet. Wer als Gruppe das Wikinger Museum besuchen möchte, hat die Möglichkeit und kann vorher eine Gruppenführung buchen. Auf der Internetseite von dem Wikinger Museum findet man nähere Informationen und die Kosten. Allerdings war die heutige Angebotsführung von Wulf (Freese) keine gebuchte Führung, sondern gelegentlich, wenn er Zeit und Lust dazu hat, bietet er das den Museumsbesucher an und dann kommt wie heute, schnell mal eine lose Gruppe zusammen, worunter gelegentlich auch mal drei Wikinger (Nana, Silke und Jens) sein könnten. Wulf (Freese) ist zurzeit leider der einzige Museumsmoderator, der bei den Führungen eine wikingerzeitliche Tracht trägt.

Museumsmoderator Wulf Freese erklärt die Funktion einer Landebrücke. Währenddessen richtet Jens auf der Landebrücke und unter den Augen der begeisterten Museumsbesucher seinen rechten Beinwickel.

Vom 18. bis zum 20. Mai 2012 bewohnten die Mitglieder von der „Interessengemeinschaft Frühes Handwerk erleben“ (Kurz: IG FrüHer) zwei Wikinger Häuser (Haus des Kammmachers [Haus Nr. 1] und Haus des Tuchhändlers [Haus Nr. 2] auf der Museumsfreifläche. Die beiden Mitmachvorführthemen waren: „Das Schaf im frühen Mittelalter – Lieferant für Nahrung, Kleidung und Werkzeug“ sowie „Feuer – elementar wichtig“. Die „IG FrüHer“ ist ein Zusammenschluss von Gruppen und Alleindarsteller, die auch schon vereinzelt in den letzten Jahren die Museumsfreifläche belebt hatten und daher die Häuser sowie den zum Teil auch anstrengenden Museumsalltag bereits kannten. Da der heutige Sonntag angenehm warm war (aber nicht über 22°C, wie es angekündigt wurde) und es nicht regnete, wurde draußen vor dem Versammlungshaus [Haus Nr. 5] gearbeitet. Aber auch in der Werkstatt in dem Haus des Kammmachers wurde gearbeitet und es entstanden dort neue Handelsprodukte aus Knochen.

Im Sommer hat man viele Arbeiten auch im Freien verrichtet. Aber gelegentlich arbeitete man doch lieber in der kühlen Kammmacherwerkstatt, wenn im Freien es einem dann doch zu warm wurde.

Leider war das von „IG FrüHer“ in diesem Jahr 2012 die einzige Belebungsveranstaltung.
Aber ich hoffe ja mal, dass „IG FrüHer“ auch nächstes Jahr wieder nach Haithabu fahren und die Wikinger Häuser bewohnen / beleben wird. Vielen Dank an Nana (Sonja Klug), Dankward (Dirk Kohl), Landogar (Lars Knudsen), Roland (Roland Vogel) und Bodvar (Micheal Gröger), sowie als Gäste von „IG FrüHer“ Silke (Ambos) und Jens (Popp) für Euren Besuch in Haithabu!

Iris (Barkmann) von Vikingr-Kontor kochte an diesem Wochenende als Vorführung eine Suppe in einem Kugeltopf. Leider konnte ich von dieser Suppe nichts mehr essen, da die Suppe sehr schnell weggegessen war. Kann ich nachvollziehen, obwohl ich kein Freund von Gemüsesuppen bin, schmecken mir unbegreiflicherweise die Suppen von Iris. Ach, wäre ich doch nur etwas früher nach Haithabu gewandert.
Aber dafür habe ich eines ihrer Fladenbrote gegessen und es verwunderte mich auch da nicht, wenn die Museumsbesucher (die alles probieren durften) da ebenfalls schnell zugegriffen haben. Es schmeckte wirklich sehr köstlich.
Schade, für dieses Jahr ist auch hier leider keine Wiederholung geplant. Als kleiner Hinweis, am 09. und 10. Juni 2012 backt dann Christian (Timm) von Opinn Skjold Fladenbrot entweder auf der Pfanne oder in eines der Lehmöfen auf der Museumsfreifläche.

Iris Barkmann von Vikingr-Kontor backt in Haithabu Fladenbrot.

Auch wenn es in den Zeitungen immer wieder falsch beschrieben wird, Haithabu war die erste echte mittelalterliche Stadt in Nordeuropa und als Hauptumschlagsplatz für den Handel zwischen Skandinavien, dem Nordseeraum und dem Baltikum besonders wichtig. Daher stellen die sieben rekonstruierten Wikinger Häuser als Siedlungsausschnitt keinen „Wikingerdorf“ dar, sondern tatsächlich eine Stadt. Aber ob nun Dorf oder Stadt, die Häuser, die Bohlenwege sowie das Inventar werden durch die täglichen Museumsbesucher sehr beansprucht und daher ist es ein Glücksfall, das Deutschlands einzige Berufswikinger Reinhard (Erichsen) zugleich auch sehr viel Fachwissen über Holz besitzt und daher vieles selber reparieren oder aufbauen kann. Es gibt auf der Museumsfreifläche immer viel an Arbeit. Hier auf der linken Aufnahme bearbeitet er gerade eine alte Holzplanke. Daraus wird dann zum Beispiel eine neue Ofenklappe für eines der Lehmöfen, dessen Klappe zur Hälfte abgebrannt ist. Oder es entsteht eine neue Sitzbank, da die alten Holzbänke langsam verfallen. Was mir heute richtig gefallen hatte, war der neue Räucherofen, den Reinhard (Erichsen) als Ersatz für die alte Räuchertonne (die man leider nicht mehr retten konnte) gebaut hatte. Ich finde, das ist eine sehr schöne Holzkonstruktion.

Ohne ständige Reparaturen oder Neubauten würde die „neue Stadt“ Haithabu innerhalb kürzester Zeit wieder verfallen.

Marion und Sven (Hopp) waren ebenfalls in Haithabu und heute konnte ich Sven tatsächlich zum ersten Mal dabei zusehen, wie er seine Pfeile herstellte. Bisher sah und fotografierte ich das immer nur bei Reinhard (Erichsen). Und die nächste Überraschung für mich, sah ich unter seinem Glasperlenmacherzelt. Er gisst aus Zinn schöne Anhänger und andere Objekte. Bei dieser Gelegenheit möchte ich gleich mal auf einen Versuch von Skjoldmus hinweisen. Auf deren Blog vom 04. März 2012 beschreibt Stephan (Meinhard) den Aufbau einer Gussform mit dem Titel: „Vorbereitungen für Blei-Zinn-Guss“. Wer sich dafür interessiert, sollte diesen Blogeintrag unbedingt lesen! Von dem heutigen Sonntag könnte ich noch viel mehr berichten (Änderungen bei den Wikinger Häuser, etc.), aber das verschiebe ich mal auf einen anderen Tagebucheintrag. Zum Abschluss möchte ich nur noch Danke an Marion und Sven (Hopp) sagen / schreiben, da sie mich mit dem neuen Auto (VW-Bus gibt es leider nicht mehr) mitgenommen haben und mich sogar bis zu meiner Haustür brachten. Was für ein Service!

Glasperlenmacher Sven Hopp fertigt in Haithabu neue Pfeile und gisst aus Zinn neue Anhänger.

Alle Links, die ich heute hier in diesem Tagebucheintrag genannt habe, befinden sich wie immer rechts in dem Seitenrahmen.

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